Stress: Alarmsignale erkennen, Auswege einüben

Stress: Alarmsignale erkennen, Auswege einüben
Gesundheitsabend über körperliche und psychische Auswirkungen

Dr. Dionys Daller, Verena Blindzellner, Dr. Ingrid Kölnberger, Dr. Thomas Kral

Anhaltende Belastungen und Leistungsdruck spielen in der modernen Lebens- und Arbeitswelt eine große Rolle. Davon zeugte der rege Besucherandrang im Kulturforum Oberalteich beim Gesundheitsabend zum Thema Stress.
Veranstalter waren die Klinik Bogen, AOK und die Gesundheitsregion plus Straubing.

Da die Ursachen und Auswirkungen von Stress so vielfältig und doch miteinander verknüpft sind, beleuchteten Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen das Thema: der Kardiologe Dr. Dionys Daller, Chefarzt der Inneren Medizin der Klinik Bogen, die Belegärztin Dr. Ingrid Kölnberger und Dr. Thomas Kral, beide Spezialisten des Orthozentrums Bogen, sowie die Entspannungspädagogin und AOK-Referentin Verena Blindzellner.

Beim Puls keine voreiligen Schlüsse ziehen
„Viele Menschen nehmen ihren Puls als beunruhigend wahr“, stellte Dr. Daller fest. Doch nicht jede erhöhte Pulsfrequenz sei stressbedingt. Der Kardiologe verwies auf den Zusammenhang der Herzfrequenz mit der Körpergröße und Lebenserwartung der verschiedenen Spezies. Während das tonnenschwere Herz des Blauwals mit zwei bis fünf Schlägen pro Minute auskomme, liege der „kardiologische Wohlfühlbereich“ beim Menschen bei 50 bis 80 Schlägen. Dagegen scheint das Herz einer kleinen Maus zu rasen.

Vor voreiligen Schlüssen warnte der Herzexperte jedoch: „Mehr Schläge pro Minute kosten nicht automatisch mehr Lebenszeit, denn die gesunde Spanne an Herzschlägen auf das ganze Leben gerechnet ist beim Menschen mit 2,5 bis 3 Milliarden Schlägen sehr weit.“ Zu unterscheiden sei zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Stress.

Ersterer wirke motivierend und führt dazu, sich gern und regelmäßig zu bewegen. Ein Trainingseffekt, sinkender Ruhepuls und weitere positive Gesundheitseffekte stellen sich im Gegenzug ein. Streitgespräche oder Erwartungsdruck mit eingeschränkter Entscheidungsbefugnis verändern die Herztätigkeit auf ungesunde Weise. Kollektiv messbar waren erhöhte Herzinfarktraten nach den WM-Spielen 2006 mit der Nationalelf oder Katastrophen wie dem 11. September.

Auch in der Klinik seien zu bestimmten Gelegenheiten vermehrt stressbedingte Herzprobleme zu beobachten: rund um die Weihnachtszeit gehäufte Herzinfarkte, bei Verlust des Partners oder Umzug in ein Pflegeheim das Broken-Heart-Syndrom. Zur Stressvorbeugung und Bewältigung empfahl der Kardiologe regelmäßigen Ausdauersport. Bei akutem Stress helfen Atemübungen, eine Runde zu Fuß oder persönliche Bewältigungsstrategien. Aber auch das Gespräch mit Mitmenschen oder professioneller Unterstützung.

Anspannung, Verspannung, Entspannung
Dass der anhaltende Stress in heutiger Zeit nicht mehr mit dem punktuellen „Steinzeitstress“ vergleichbar ist, führte die Orthopädin Dr. Kölnberger vor Augen: „Die körperliche Stressreaktion ist ein genetisches Programm. Es läuft automatisch ab und stellt alles im Körper auf eine Fluchtreaktion ein. Das war überlebenswichtig für unsere Vorfahren. Heute jedoch führt das als Dauerbelastung zut Blackouts, Leere im Kopf, Unwohlsein und Verspannungen.“ Denken, Fühlen und Bewegungsapparat wirken zusammen. Stress in einem Bereich wirkt sich immer auch negativ auf alle anderen Bereiche aus. Schlimmstenfalls mündet dies in eine körperliche und psychische Abwärtsspirale: den „Teufelskreis Schmerz“.

Dr. Kral veranschaulichte typische Körperregionen, in denen Verspannungen von Muskel- oder Fasziengewebe zu Sehnenansatzentzündungen führen können: Schultergürtel, Ellbogen, Becken und Hüfte, Füße und Wirbelsäule. Bekannt seinen Tennisellbogen oder Fersensporn, aber auch der stechende, vom Nacken in den ganzen Kopf hinein ausstrahlende Schmerz.

Sogenannte Triggerpunkte, knotige Verhärtungen im Gewebe, können gut mit Einspritzungen, Akupunktur, TENS-Gerät oder Physiotherapie behandelt werden. Bei anhaltenden psychischem Stress und wiederkehrenden körperlichen Problemen empfahl der Orthopäde auch ein multimodales Vorgehen unter Einbeziehung der Psycho- und Verhaltenstherapie.

Praktische Tipps zum „Runterkommen“
Verena Blindzellner gab dem Publikum zum Abschluss einige praktische Übungen auf den Weg, um es gar nicht so weit kommen zu lassen: die positive Beeinflussung der eigenen Gedanken, Entspannungstraining zum Abschalten am Abend, Achtsamkeitsübungen, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst und die Signale des Körpers zu richten sowie bewusste Gedankenstopps in Konfliktsituationen mit Atemtechniken.

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