Virtueller Deutscher Wirbelsäulen Kongress 2020

DWG goes digital
Zum ersten Mal fand der Deutsche Wirbelsäulenkongress, die Jahrestagung der Deutschen Wirbelsäulen Gesellschaft, virtuell statt. Viele spannende Themen wurden vom 09. -11. Dezember 2020 diskutiert.

Frau Dr. Fenk-Mayer und Frau Dr. Kölnberger hören eine Key Lecture auf dem Deutschen Wirbelsäulenkongress 2020. Der leitende OP-Pfleger Herr Christoph ist vom Heimbüro aus zugeschaltet.

Dr. Kölnberger und Dr. Fenk-Mayer in der Live Session des DWG

Im Rahmen dieses virtuellen Kongresses konnten dennoch eine Vielzahl klassischer Inhalte beibehalten werden, z.B. wissenschaftliche Vorträge, Best-off-oder Pro-und Contra Sitzungen und die Plenarsitzungen mit renommierten Gastrednern. Erstmalig fanden parallele Sitzungen in unterschiedlichen Livestreams statt, sodass die Teilnehmer sich ihr Programm aus mehreren Angeboten zusammenstellen können.

Ein wichtiges Thema dabei: Die Chancen des Homeoffice nutzen und bei Rückenbeschwerden durch Bewegung für Ausgleich sorgen.

„Die haltungsbedingten Schäden haben in letzter Zeit deutlich zugenommen“: Wie man im Homeoffice Rückenbeschwerden vermeiden kann – das rät der Wirbelsäulenexperte Prof. Dr. med. Frank Kandziora: Er ist amtierender Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft.

Die Wirbelsäulenerkrankung ist die häufigste Ursache für einen Verlust an Lebensqualität weltweit. Es geht eher darum mit Corona zu leben und dass es einen „Zustand nach Corona“ nicht geben wird. Damit ruft er nach wie vor häufig Erstaunen hervor.

Neue orthopädische Erkrankungsmuster im Lockdown– und die Macht der Psyche.

Nach einer Erhebung von Mitte März 2020 arbeitet infolge der Corona-Pandemie jeder zweite Berufstätige (49 Prozent) ganz oder zumindest teilweise im Homeoffice.* Die Infrastruktur, die moderne Büroräume bieten, mit ergonomischem Mobiliar, vielleicht Yoga und Entspannungsübungen in der Pause sowie mobiler Massage, ist natürlich zuhause -im Homeoffice- nicht sicher zu stellen. Hier befindet sich der Schreibtisch nicht in der richtigen Höhe und der Bildschirm nicht an der richtigen Position, auch Tastatur und Maus sind häufig älteren Datums und der modernen Arbeitsplatzergonomie nicht angepasst.

„Insofern ist es leider selbstverständlich, dass viele Patienten über deutlich mehr Schulter-Nacken-Beschwerden und auch Rückenbeschwerden klagen“, berichtet Prof. Frank Kandziora, „Diese haltungsbedingten Schäden haben in letzter Zeit deutlich zugenommen.“

Hier ist es wichtig die Arbeitsplatzstruktur zuhause in Analogie zum Arbeitsplatz im Büro einzurichten. Auch zuhause bedarf es der richtigen Ausstattung. Der Wirbelsäulenspezialist rät die Chancen des Homeoffice für sich zu nutzen: „Unterbrechen Sie häufiger Ihre Arbeit bei Rückenbeschwerden und führen Sie entsprechende Ausgleichsübungen durch! Gehen Sie öfter mal spazieren, gehen Sie joggen, machen Sie Dehnungsübungen! Auch Yoga und Pilates können helfen. Gezieltes Rückentraining kann man mit zahlreichen Online-Angeboten machen.“

Video Session mit Jeffrey C. Wang, Professor für Orthopädische Chirurgie und Neurochirurgie an der Keck School of Medicine der University of Southern California (USC)

Ein typisches Krankheitsbild, das die Mediziner um Kandziora derzeit wieder vermehrt sehen, sei der sogenannte „Handynacken“. Durch eine in der Regel einseitige Überbelastung der Kopfhaltung und der statischen Nackenmuskulatur, komme es hier zu klassischen funktionellen Haltungsstörungen mit Muskelverspannungen und Schulter-Nacken-Schmerzen. Es empfiehlt sich z.B. die Verwendung eines Kopfhörers mit integriertem Mikrofon um diesen Haltungsschäden vorzubeugen.

Frank Kandziora lenkt den Blick zudem noch auf einen weiteren Aspekt von entscheidender Bedeutung im Homeoffice und zwar die psychologische Auswirkung von sozialer Isolation und Kontaktreduktion. Daraus resultiert oftmals eine vermehrte Selbstbeobachtung. Viele der Beschwerden, die im regulären Arbeitsalltag als Bagatellbeschwerden bewertet werden, finden im Homeoffice deutlich mehr Beachtung und entwickeln so einen ganz anderen Krankheitswert. „Dies trifft besonders stark für Rückenleiden zu, da diese auch einen hohen psychologischen Krankheitswert haben“, weiß Kandziora.

Dr. Fenk-Mayer (1. v. l.) in einem Vortrag von Assistant Medical Director Dr. Matti Scholz,
Leitender Oberarzt Berufsgenossenschafltiche Unfallklinik Frankfurt am Main
Vorsitzender der Deutschen Sektion der AO Spine Organisatkion Frankfurt a.M.

Sollten Sie also Beschwerden durch Homeoffice verspüren, scheuen Sie sich nicht die Spezialisten vom OrthoZentrum anzusprechen und mögliche Disbalancen abzuklären, bevor ein dauerhaftes Problem daraus wird.

Ein positive Folge der Pandamie zeichnet sich jedoch bereits ab: Neben der vom OrthoZentrum bereits seit März angebotenen Telemedizin und der täglich gelebten engen Kooperation von Spezialisten über die Fachgrenzen hinweg finden jetzt auch große wissenschaftliche Kongresse digita statt und ermöglichen durch weniger Reiseaufwand mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten.

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Die DWG ist die größte, fachgebundene Wirbelsäulengesellschaft Europas. Sie ist das interdisziplinäre Forum von Grundlagenforschern sowie konservativ und operativ tätigen Medizinern in Deutschland. Die aktuell etwa 2300 Mitglieder rekrutieren sich mit einer jedes Jahr steigenden Zahl in erster Linie aus Neurochirurgen, Unfallchirurgen und Orthopäden.

*Quelle: www.bitkom.org

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